Tom Bischof gegen Dennis Seimen: Bundesliga erwartet historische Premiere
Familiäre Wurzeln im Banat und in Siebenbürgen

In 63 Jahren gab und gibt es Fußballer aus aller Herren Länder in der Bundesliga, darunter sechs mit siebenbürgisch-sächsischen und zwei mit banatschwäbischen Wurzeln. Erster Siebenbürger Sachse war Johann Kondert, geboren in Sächsisch Regen. 1967 wechselte er zu Kickers Offenbach, stieg mit den Hessen ein Jahr später in die deutsche Eliteklasse auf und postwendend ab. In der Spielzeit 1968/69 bestritt der Mittelfeldakteur 25 Bundesligabegegnungen, davon 22 in der Startelf und erzielte drei Tore. 1970 schaffte er mit den Kickers den sofortigen Wiederaufstieg und kehrte anschließend zum Linzer ASK zurück.

Ihm folgte Gerhard Poschner (geboren in Mettersdorf bei Bistritz), der im Mittelfeld für den VfB Stuttgart und Borussia Dortmund zwischen 1987 und 1999 sowie im ersten Halbjahr 2004 beim TSV 1860 München insgesamt 290 Erstligaspiele mit 22 Treffern absolvierte. 1990 fand das Bundesligadebüt von Mittelfeldspieler Michael Klein (geboren 1959 in Hamlesch bei Hermannstadt) statt, der für den FC Bayer 05 Uerdingen von 1990 bis 1993 insgesamt 37 Bundesligapartien machte. Innenverteidiger Ralph Gunesch (kam 1983 in Schäßburg zur Welt) absolvierte 29 Bundesligaspiele, davon neun in der Saison 2006/07 unter Trainer Jürgen Klopp für den 1. FSV Mainz 05 sowie zwanzig in der Spielzeit 2010/11 für den FC St. Pauli. Ronny Philp (geboren 1989 in Hermannstadt) bestritt als rechter Außenverteidiger von 2012 bis 2014 immerhin 14 Bundesligabegegnungen mit dem FC Augsburg.

Letzter im Bunde sowie Einziger, der nicht in Siebenbürgen zur Welt kam, und aktuell bei einem Bundesligisten unter Vertrag steht, ist Dennis Seimen vom VfB Stuttgart. Sein Vater Reinhold stammt aus der Nähe von Schäßburg und seine Mutter Ana Niță aus Bratovești im Kreis Vâlcea. Die Eltern von Dennis lernten sich in Rumänien kennen und wanderten nach Deutschland aus, wo sie heirateten. Ihr Sohn kam in Heilbronn zur Welt. Er besitzt neben der deutschen auch die rumänische Staatsbürgerschaft und spricht seine Muttersprache Rumänisch sehr gut. Davon konnte ich mich mehrmals überzeugen, da ich ihn und seine Eltern persönlich kenne. Seimen fühlt sich nicht nur in Deutschland wohl, sondern auch im Heimatland seiner Eltern. Er besucht Rumänien regelmäßig, war an Weihnachten mehrmals dort, zuletzt im vergangenen Jahr. Jedes Mal geht es dann auch nach Hermannstadt, wo eine Tante und ein Onkel leben. Die Cousins von Dennis spielten ebenfalls Fußball: einer beim FC Hermannstadt, der andere beim Sportclub Schellenberg. „In Hermannstadt gefällt es mir. Die Stadt ist nicht überlaufen und hat ein neues Stadion“, erzählte mir Seimen.
Fußballer banatschwäbischer Herkunft sind in der Bundesliga rar gesät. Der Erste war Peer Posipal, Sohn von Jupp Posipal. Sein Vater Josef „Jupp“ wurde in Lugosch geboren und 1954 im Berner Wankdorfstadion durch den legendären 3:2-Sieg über die hochfavorisierten Ungarn Weltmeister. Als er 1958 seine Karriere beim Hamburger SV beendete, gab es die Bundesliga noch nicht. Sie wurde erst fünf Jahre später gegründet. Peer, der 1962 in Hamburg zur Welt kam, begann beim HSV, dem Verein seines Vaters, mit dem Fußballspielen. 1982 wechselte er auf Vermittlung von Hamburgs Idol Uwe Seeler, der mit Jupp beim HSV in einer Mannschaft stand, zum Bundesligisten Eintracht Braunschweig.

Am 1. Oktober 1983 debütierte Posipal junior mit der Eintracht ausgerechnet im Auswärtsspiel beim Hamburger SV in der Bundesliga, das die Braunschweiger mit 0:3 verloren. Es war sein erster Einsatz von Beginn an. Während der Spielzeit 1984/85 gelang dem Mittelfeldspieler der Durchbruch, als er 21 Partien absolvierte. Am Saisonende stieg die Eintracht ab. Peer brachte es auf insgesamt 30 Bundesligaspiele mit zwei Toren.
Zweiter Bundesligafußballer mit banatschwäbischen Wurzeln ist Tom Bischof. Seine Oma Elisabeth (geb. Schmelzer) stammt aus Tschanad. Tom debütierte für die TSG Hoffenheim bei der 0:3-Niederlage am 19. März 2022 gegen Hertha BSC, als er im Alter von 16 Jahren und 263 Tagen eingewechselt wurde – damit ist er bis heute der jüngste Bundesligaspieler der Hoffenheimer Vereinsgeschichte. Nach 56 Erstligapartien für die TSG, in denen er fünfmal traf, wechselte Bischof im Sommer 2025 ablösefrei zum FC Bayern München, da sein Vertrag ausgelaufen war und sich die Bayern frühzeitig die Dienste des hochtalentierten Mittelfeldspielers sicherten.

Ich habe sowohl in Deutschland als auch Rumänien exklusiv über die siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln von Dennis Seimen und die banatschwäbischen von Tom Bischof geschrieben mit der Folge, dass Wikipedia meine Berichterstattung als Quelle für die Einträge über die beiden Bundesligaprofis bezüglich ihrer Herkunft verwendet hat. In der Rubrik „Persönliches“ schreibt das Onlinelexikon über den Torwart: „Seimens Vater, Reinhold, der Fußballtrainer ist, gehört der deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen in Rumänien an und stammt aus Zendersch, einem Ortsteil von Bladenmarkt im Kreis Mieresch. Seine Mutter, Ana Niță, selbst eine ehemalige Fußballspielerin, ist Rumänin. Er spricht neben Deutsch auch Rumänisch und besitzt sowohl die deutsche als auch die rumänische Staatsangehörigkeit." Über den Mittelfeldspieler heißt es bei Wikipedia: „Bischof hat banatschwäbische Wurzeln. Seine Großmutter stammt aus Cenad, Rumänien." Auf Deutsch heißt der Ort Tschanad. Er liegt im Westen Rumäniens an der Grenze zu Ungarn in der Banater Heide, circa 70 Kilometer von Temeswar entfernt. Ich bin bei Tschanad mehrmals nach Rumänien eingereist.
Im Herbst 1944 floh Elisabeth Schmelzer im Alter von sieben Jahren mit Eltern, Großeltern sowie Bruder im Pferdewagen vor der heranrückenden Roten Armee nach Österreich und weiter nach Laufen in Oberbayern. Von dort gelangten sie nach Amorbach im bayerischen Odenwald, wo sie im August 1946 in einer „Liste aller ortsanwesenden Personen der Vereinten Nationen und anderer Ausländer“ in der amerikanischen Besatzungszone als wohnhaft registriert worden sind.

In den Donauschwäbischen Familienkundlichen Forschungsblättern vom September 2025 schreibt Uwe Detemple: „Die Geschichte der Familie Schmelzer lässt sich bis in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im Rahmen der habsburgischen Siedlungspolitik ließen sich ab der Jahrhundertmitte deutsche Kolonisten – viele davon aus dem Sauerland im Herzogtum Westfalen – in Tschanad nieder, wo sie das wirtschaftliche und kulturelle Leben des Ortes mitprägten. Der 1728 im westfälischen Oberhundem, Kreis Olpe, geborene Johann Schmelter wurde am 8. Mai 1765 in Wien als »Schmelzer« zur Ansiedlung im Banat registriert und zusammen mit seiner Frau Anna Gertrude Dreses, einer Tochter und vermutlich zwei Brüdern in Tschanad angesiedelt. Ab 1765 lebten während 179 Jahren nicht weniger als acht Generationen der Schmelzers in Tschanad, bis sie 1944 das Banat für immer verließen. Elisabeth Schmelzer heiratete später den Maurer Manfred Bischof und bekam drei Kinder, darunter Thomas, den Vater des Fußballers. Bis heute lebt sie in Amorbach.“
Die Bilanz von Tom Bischof in seiner ersten Saison 2025/26 bei den Bayern kann sich sehen lassen. Er absolvierte 26 Bundesligaspiele (drei Tore, drei Vorlagen), stand 14-mal in der Startelf, wurde 12-mal ein- und 4-mal ausgewechselt. In der Champions League brachte er es auf zehn Partien und im DFB-Pokal auf eine. Mit den Bayern errang er die ersten Erfolge seiner vielversprechenden Karriere: deutscher Meister, Pokal- und Supercupsieger. Das soll erst der Anfang in seiner noch jungen Laufbahn gewesen sein. „Ich bin geil auf jeden Titel“, gestand er.

Toms gute Leistungen wurden von Julian Nagelsmann belohnt. Der ehemalige Bundestrainer berief ihn in die deutsche Nationalmannschaft, für die er am 8. Juni 2025 debütierte. Bei der 0:2-Niederlage im Spiel um Platz drei der UEFA Nations League in Stuttgart wurde er in der 65. Minute für Leon Goretzka eingewechselt. Damit ist Bischof nach Jupp Posipal der zweite deutsche Nationalspieler mit banatschwäbischen Wurzeln. Siebenbürgisch-sächsische Fußballer hat es in der deutschen Nationalmannschaft bisher nicht gegeben.
Auch der aktuelle Nationaltrainer Jürgen Klopp steht auf Bischof. Als er seinen XXL-Kader mit 44 Spielern am vergangenen 17. September auf dem Campus des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt für die bevorstehenden Partien in der Nations League bekannt gab, war Tom dabei. Klopp sagte über ihn: „Bei ihm ist es so, dass Tom ganz viele Dinge hat. Er hat gegen den Sport-Club Freiburg zwei Distanztore mit links und mit rechts geschossen. Davon gibt's auf dieser Welt nicht so viele Spieler. Wir haben ein paar beidfüßige Jungs im Kader. Tom ist ein ganz feiner Fußballer, hat ganz viel strategisches Talent, und ist einfach ein ganz toller Kerl. Das muss man wirklich sagen. Ein wirklich netter Kerl.“

Über den von Klopp erwähnten Doppelpack von Bischof schrieb der FC Bayern am 4. April 2026 auf seiner Homepage unter der Überschrift „Distanz-Doppelpack als Dosenöffner“: „Bis zu diesem Moment hatte der U21-Nationalspieler aber etwas Anlauf gebraucht. Als er Freiburgs Yuito Suzuki knapp zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen ließ und dann trocken mit rechts zum 1:2 aus Münchner Sicht ins lange Eck traf, war das Bischofs 25. Torschuss in der laufenden Bundesliga-Saison. Und der erste, der sein Ziel nicht verfehlte. 'Mir wurde schon oft gesagt, ich soll mich häufiger trauen zu schießen. Oft habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst', meinte Bischof. 'Aber heute habe ich es einfach mal gemacht, und es hat ganz gut geklappt. Ich freue mich sehr, dass ich mein erstes Tor für Bayern geschossen habe.' Es sollte nicht das letzte bleiben – auch weil sich der Sommer-Neuzugang extrem vielseitig zeigte. Sein zweiter Treffer zum Ausgleich in der Nachspielzeit war quasi spiegelverkehrt: Dieses Mal traf er aus ähnlicher Distanz mit dem linken Fuß ins gegenüberliegende Toreck der Freiburger. Die guten Ratschläge vor der Partie kamen daher wohl nicht von ungefähr. Schließlich hatte Bischof seine Schussstärke schon vor seinem Wechsel nach München unter Beweis gestellt. Seit Beginn der Vorsaison, als der Allrounder noch für Hoffenheim kickte, schoss er in der Bundesliga fünf Tore von außerhalb des Sechzehners. Einzig Harry Kane (sieben) war in diesem Zeitraum noch gefährlicher aus der Distanz. Der Torjäger fehlte aber bekanntlich angeschlagen in Freiburg, weshalb die Freude umso größer war, dass Tom Bischof in die Bresche sprang. Die etatmäßigen Goalgetter hätten heute nicht so getroffen wie gewohnt, bemerkte Max Eberl. 'Und dann kommt Tom mit zwei sehr, sehr schlauen Schüssen.' Für den Sportvorstand war es nur eine Frage der Zeit, bis der Knoten beim talentierten Youngster platzen würde: 'Er hat einen sehr guten linken Fuß. Er hat nur zu selten den Mut gehabt, zu schießen. Jetzt hat er es getan, sehr schlau und sehr platziert.' Den dramatischen 3:2-Siegtreffer für die Münchner legte Teamkollege Lennart Karl in der 99. Spielminute nach."

Vor einem Monat kam Tom Bischof beim 2:0-Sieg in der Nations League gegen Serbien in München zu seinem zweiten Länderspieleinsatz. Nach 77 Minuten wurde er ausgewechselt. BILD gab ihm die Traumnote 1: „Richtig starkes Spiel im Zentrum! Starke Pässe, gefährliche Schüsse – und Torschütze zum 1:0. Zeigte vor den Augen von Kimmich auf der Tribüne, dass er eine echte Sechser-Alternative im deutschen Team sein kann." Und Die Welt berichtete unter der Überschrift „Ein Stück deutsche Fußball-Zukunft in der Gegenwart“: „Bischof war ein optimaler Ersatz für Joshua Kimmich, spielte kluge Pässe und gewann wichtige Zweikämpfe. Ihm war nicht anzumerken, dass es erst seine zweite Partie für die A-Auswahl war. 'Das war eines meiner wichtigsten Spiele', sagte der Profi, der mit der 18-jährigen Tochter des ehemaligen Fußball-Profis Mehmet Scholl liiert ist. 'Jürgen ist ein Trainer, der einen mitzieht. Ich hoffe, dass es genauso weitergeht.' Zu Recht sehen Experten Bischof langfristig als eine Art neuen Kimmich – in der Nationalelf und beim FC Bayern. Bischof ist Sinnbild für einige in diesem Kader: Er kann sich bis zur EM 2028 zu einem Topspieler Europas entwickeln. Bischof, den Nagelsmann nicht mit zur WM nahm, hat eine große Zukunft im Mittelfeld vor sich." Tom meinte nach der Partie: „Es hat Spaß gemacht." Nicht so gut lief es für ihn allerdings drei Tage später bei seinem dritten Länderspiel, der Nullnummer in Griechenland. BILD bewertete seinen Auftritt diesmal mit der Note 3: „Bischof (bis zur 82. Minute): Nicht so auffällig wie gegen Serbien. Berührte vor dem vermeintlichen Führungstreffer den Ball mit der Hand.“

Dennis Seimen steht seit 2015 beim VfB Stuttgart unter Vertrag und wurde ab der Spielzeit 2022/2023 fest in die Trainingsabläufe der ersten Mannschaft integriert, ehe er am 14. Mai 2023 mit 17 Jahren beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen erstmals während eines Bundesligaspiels auf der Ersatzbank saß. Ab der Saison 2023/2024 gehörte er offiziell dem Stuttgarter Lizenzspielerkader an, trainierte dauerhaft mit den Profis und sammelte parallel Spielpraxis mit der zweiten VfB-Mannschaft in der 3. Liga. Insgesamt war er achtmal VfB-Reservekeeper in der Bundesliga, wo er bis zum Beginn dieser Saison keine Begegnung bestritt.

Um höherklassige Erfahrung zu sammeln, wurde Seimen in der vergangenen Spielzeit zum SC Paderborn 07 in die Zweite Bundesliga ausgeliehen. Seine Bilanz dort war beachtlich. Er absolvierte sämtliche 34 Punktspiele über die volle Distanz und erhielt damit die vom VfB erhoffte Spielpraxis auf hohem Profiniveau. In knapp einem Drittel seiner Ligaeinsätze (9 von 34 Partien) hielt er seinen Kasten sauber. Mit 1,40 Gegentoren pro Begegnung (45 kassierte Treffer in 34 Ligaspielen) stellte er zusammen mit der SC-Hintermannschaft eine der stabilsten Defensivreihen in der Liga. Dank der spielerischen Paderborner Philosophie verzeichnete Seimen außergewöhnlich viele Ballaktionen und Pässe pro Partie (durchschnittlich über 30–35 angekommene Pässe pro Spiel), womit er ligaweit zu den modernen, mitspielenden Keepern zählte.
In den beiden Relegationsspielen gegen den VfL Wolfsburg kassierte er in 210 Minuten (inklusive Verlängerung im Rückspiel) lediglich einen einzigen Gegentreffer und legte mit dem 0:0 im Hinspiel den Grundstein für den Aufstieg der Paderborner in die höchste deutsche Spielklasse. Sie wollten seinen Leihvertrag gerne verlängern, doch Stuttgart spielte nicht mit, weil die Schwaben ihn für diese Saison fest als ihre Nummer eins eingeplant haben.
„Ich trage schon sehr lange das VfB-Trikot und fühle mich hier zuhause. Mein Traum war es immer, den Sprung aus dem Nachwuchsbereich ins Tor der Profimannschaft zu schaffen. Ich werde hart arbeiten, um eines Tages im Brustring vor der Cannstatter Kurve im Tor zu stehen und bin für alles gewappnet", versicherte Dennis bei seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im September 2024. Die Fachzeitschrift kicker schrieb über ihn: „Ein 1,90 m großer und 89 kg schwerer Hüne, der neben den als selbstverständlich angesehenen Qualitäten bezüglich Reaktionsschnelligkeit und Torwarttechnik noch mehr zu bieten hat. Seimen ist stark mit dem Ball am Fuß, beidfüßig dazu. Er beherrscht das scharfe Passspiel auf den Vordermann, weiter weg oder hinter die gegnerischen Linien. Er findet Lösungen bei der Spieleröffnung und -fortsetzung, auch unter Druck, und hat sich in Paderborn trotz seiner Jugend als unaufgeregter Rückhalt seines Teams erwiesen. Außerdem sei er ein lautstarker Keeper, wie der Jungstar selbst sagt: 'Ich will mit meiner Präsenz die Jungs vom Tor weghalten, bin ein mitspielender Torwart, der immer probiert, der elfte Feldspieler zu sein. In erster Linie bin ich aber dazu da, um Bälle zu halten.'" Europameister Markus Babbel lobte Seimen im vergangenen Jahr: „Ich bin von seiner Qualität vollkommen überzeugt und gehe schwer davon aus, wenn er sich weiter so entwickelt wie bisher, dass er in fünf Jahren A-Nationaltorhüter ist.“

Tom Bischof und Dennis Seimen haben außer ihren rumäniendeutschen Wurzeln noch einiges gemeinsam. Sie sind beide 2005 geboren und ihre Verträge laufen bis zum 30. Juni 2029. Zudem spielten sie bisher zweimal zusammen in der deutschen U21-Nationalmannschaft: beim 2:3 gegen Griechenland am 10. Oktober 2025 sowie dem 2:1-Sieg in Nordirland vier Tage später. In beiden Partien standen sie in der Startelf. Bischof wurde kurz zuvor zum Kapitän der U21 ernannt.
Auf Vereinsebene standen sich Seimen und Bischof bislang noch nie gegenüber. Das hätte am 28. August dieses Jahres so weit sein können. Doch am 22. Juli hat sich Dennis eine Verletzung an der Oberschenkelrückseite zugezogen und fiel langfristig aus. Der VfB Stuttgart verlor am ersten Bundesligaspieltag mit 1:5 bei den Münchner Bayern, für die Tom sechs Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt wurde.
Aber was nicht war, kann ja noch werden. Am 15. September nahm Dennis Seimen das Mannschaftstraining wieder auf und stand zwei Wochen später beim Test gegen Greuther Fürth im Stuttgarter Tor. Dass der VfB behutsam mit seinem Juwel umgeht, verdeutlichten die Worte von Sebastian Hoeneß nach dem Comeback des U21-Nationaltorhüters. Infolge der langen Zwangspause kündigte der Cheftrainer ein kluges Belastungsmanagement an: Seimen werde zwar „viele Spiele machen, aber auch nicht alle.“

Am 10. Oktober war es dann so weit. Dennis bestritt sein erstes Meisterschaftsspiel beim 2:0-Sieg des VfB Stuttgart in Paderborn gegen den SC, mit dem er vergangene Saison den Aufstieg schaffte. „Ein wackeliges Bundesliga-Debüt von Seimen“, schrieb der kicker. Und die Heilbronner Stimme analysierte: „In der 30. Minute war Seimen weit draußen, um einen Konter zu unterbinden. Fünf Minuten später dann der Stoppfehler im Fünfmeterraum. Kurz vor der Pause mit einer starken Aktion gegen Obermair. Nach der Pause dafür mit einem unglaublichen Fehlpass. Seimen wackelte beim Bundesliga-Debüt mehr, als dass er Sicherheit ausstrahlte. Note 4,5“. Nach dem Abpfiff sagte Dennis: „Es sind auch ein paar Tränen geflossen. Das war das Emotionalste, was ich in meiner Karriere erlebt habe.“
Somit steht seinem Einsatz im ersten Rückrundenspiel Ende Januar 2027 in Stuttgart gegen die Bayern nichts mehr im Weg. Dann würde es zu einer historischen Premiere in der Bundesliga kommen, falls auch Bischof eingesetzt wird: dem ersten Duell zwischen einem Spieler mit siebenbürgisch-sächsischen (Dennis Seimen) und banatschwäbischen Wurzeln (Tom Bischof).
Ein außergewöhnliches Kapitel deutscher Fußballgeschichte.
Weiterführend: Im Temeswarer Fernsehen sprach ich über Tom Bischof und Dennis Seimen. Die ersten drei Teile des Interviews sind Jupp Posipal gewidmet, der vierte Teil behandelt Bischof und Seimen:
Bis zum nächsten Klick auf meinen Blog…
Als neuer Beitrag folgt: 25 Jahre erstes donauschwäbisches Sportbuch



